Nun geht es um das i-Tüpfelchen bei der Zielobjektsuche: die perfekte Anzeige!

Warum wird auf die tolle Anzeige überhaupt so viel Wert gelegt?
Zum einen wird die Anzeige beim Wettkampf sehr hoch bewertet. Insgesamt kann man sich pro Suche 100 Punkte erarbeiten - davon gibt es "nur" 30 für die Suche und 70 (!!!) für die Anzeige. Es wird also davon ausgegangen, das fast jeder Hund gut suchen und seinen Gegenstand auch finden kann. Aber mit der Bewertung der Anzeige wird sozusagen die Spreu vom Weizen getrennt ;-)
Aber auch unabhängig vom Wettkampf ist eine ruhige und konzentrierte Anzeige trainingstechnisch mehr wert, als eine hibbelige und unfokussierte Anzeige. Mehr Wert im Sinne von, das es viel anstrengender ist, sich auf den Gegenstand zu konzentrieren und ruhig zu liegen, als aufgeregt irgendwelche Aktionen am Gegenstand zu zeigen ;-)

Wie soll die perfekte Anzeige aussehen?
Der Hund soll sich nach der genauen Lokalisation seines Gegenstandes
- möglichst schnell hinlegen
- die Nase dabei so dicht wie möglich am Gegenstand halten
- den gesamte Fokus (Augen, Ohren, Körperausrichtung) Richtung Gegenstand legen
- diese Anzeige über einen bestimmten Zeitraum (mehrere Sekunden) halten - im Idealfall bis zum Auflösen des Hundes
- diese Anzeige auch dann noch halten, wenn wir uns an den Hund annähern

Das sind einige Kriterien, die zusammen eine richtig schöne Anzeige ergeben. Man muss sich also ganz klar definieren, was der Hund nach dem Finden des Gegenstandes genau tun soll.

Und was ist so schwierig daran?
Der Hund muss aus einer hochkonzentrierten, intensiven und vergleichsweise schnellen Suche in eine sehr ruhige, fokussierte Anzeige wechseln (schnell ist relativ, die Hunde sollen ja nicht hektisch suchen - dennoch ist die Suche im Vergleich zur Anzeige "schneller"). Das fällt vielen Hunden sehr schwer.

Wie immer beim Training von Details lassen wir alles "unwichtige" drumherum weg und konzentrieren uns nur auf dieses Trainingsdetail: die Anzeige. Das heißt wir brauchen für unser Anzeigetraining keine großen Trümmerfelder oder lange Suchen, sondern eher kleine kurze Suchen.
Warum keine langen Suchen? Wenn die Anzeige noch nicht ganz so ist, wie wir sie uns wünschen, der Hund aber total schön und intensiv sucht und dann bei der Anzeige einen "Fehler" macht und deswegen korrigiert wird (oder nicht belohnt, weil wir ja eine bessere Anzeige sehen wollten), dann kann das sehr frustrierend für den Hund sein.
Zum anderen soll der Hund nach der Suche noch genug Konzentration für die Anzeige haben. Kann er diese noch nicht in- und auswendig und verbraucht schon sehr viel Denkarbeit für die Suche, kann es bei der Anzeige wieder schneller zu Fehlern (Unruhe, ...) kommen. Das möchten wir vermeiden.
Wenn wir statt einer langen Suche 5 sehr kleine Suchen machen, können wir auch 5 mal hintereinander an der tollen Anzeige trainieren. :-)

Da wahrscheinlich jeder eine andere Baustelle beim Training der Anzeige hat, stelle ich diesmal alle Videos mit den Trainingsinhalten bereits am Monatsanfang ein :-) Im Laufe des Monats werde ich dann nochmal einzelne andere Baustellen aufgreifen und näher darauf eingehen.

Zur Anzeige gehören drei TrainingsTeile, die aufeinander aufbauen. Bei manchen Trainingsschritten empfehle ich auf jeden Fall die Verwendung eines Clickers oder ein anderes gut auftrainiertes Markersignal. Die einzelnen Trainingsteile sind:


(1) Nase ruhig am Gegenstand, wenn der Mensch mit der Futterbelohnung ganz nah am Hund ist (Ziel sind mehrere Sekunden)



Bei diesem Trainingsschritt positioniert ihr Euch so, das ihr den Hund relativ zeitnah nach dem Auslösen der Anzeige am Gegenstand belohnen könnt.
Ziel ist, das der Hund erstmal gar keinen Fehler macht (wegschauen vom Gegenstand, stupsen mit der Nase, ...) und dadurch ein falsches Bild von der Anzeige bekommt. Der Hund wird ganz schnell für schnelles Hinlegen belohnt. Dann könnt ihr die Anzeige noch mehrfach abfragen und erneut belohnen und auch ein wenig mit der Anzeigedauer variieren. Achtet darauf, das ihr wirklich immer in ein ruhiges Verhalten belohnt und nicht versehentlich eine Kett bestärkt: Hund hat Nase ruhig am Gegenstand - Hund wackelt - Hund hat Nase wieder ruhig am Gegenstand - Belohnung
Damit würde der Hund lernen, das er erst wieder aktiv werden muss bei der Anzeige, bevor es eine Belohnung gibt.
Wenn ihr merkt, das Euer Hund solche eine Kette gelernt hat, ist das nicht dramatisch - achtet einfach darauf, das ihr nach einer Bewegung des Hundes wieder mindestens zwei bis drei Sekunden wartet, bevor ihr den Hund für ruhiges Anzeigen belohnt.

Im Video sieht man bei unserer zweiten Suche auch einen kleinen Fehler, den ich aus der FütterPosition nicht gesehen habe: Luna schielt ganz leicht nach oben und ich belohne fast immer direkt danach :D Beim nächsten Mal könnte ein Trainingshelfer clicken, sobald der Augenfokus auf den Gegenstand gerichtet ist, damit sich das nicht weiter festigt.

Klappt das gut, kann der nächste Schritt trainiert werden:



(2) Nase ruhig am Gegenstand, wenn der Mensch einige Schritte entfernt steht (Ziel auch hier mehrere Sekunden)



Nun steht ihr nicht mehr in der Nähe des Versteckes, sondern irgendwo am Trümmerfeld und belohnt Euren Hund ebenfalls wieder für schnelles Hinlegen am Gegenstand. Hier verwendet ihr am besten einen Auflöseclick, da der Hund den Schritt (3) nocht nicht kann (die schrittweise Annäherung des Menschen an den Hund). Ich muss meinem Hund also mitteilen, das es erlaubt ist, die Nase vom Gegenstand wegzunehmen und auf seine Belohnung zu warten. Wichtig ist, das ihr erst clickt und euch dann erst zum Hund bewegt. In diesem Schritt ist unser Hund eigentlich noch nicht so weit, das er die Bewegung von uns aushält und könnte den Fehler machen und vom Gegenstand weg zu uns schauen. Wenn der Hund nach dem Click die Nase am Gegenstand lässt, ist das umso besser für die weiteren Trainingsschritte :-)

Auch hier könnt ihr mit der Anzeigedauer variieren, bleibt dabei aber stehen, gebt euer Markersignal und geht dann erst mit der Belohnung zum Hund.
Aufpassen, das ihr nicht immer die gleiche Zeit abwartet, bevor ihr clickt, sondern schön unvorhersehbar bleibt ;-)

Anschließend seid ihr wieder ganz nah beim Hund und könnt da wieder die schöne Anzeige mehrfach hintereinander abfragen und belohnen (siehe (1).

Viele arbeiten hier ohne Auflösesignal oder Clicker und der Hund lernt jedes mal, den Kopf hochzunehmen und vom Gegenstand wegzuschauen. Das wäre wieder eine unerwünschte Kette, die wir bei unserem Anezigeverhalten nicht haben wollen.


Bevor es nun zum Schritt (3) geht, könnt ihr diesen Zwischenschritt einbauen:



Hier soll der Hund lernen, Bewegungen von Euch auszuhalten und trotzdem nicht den Fokus auf den Gegenstand zu verlieren. Wir beginnen natürlich erstmal ganz klein und machen nur MiniBewegungen - hält der Hund das aus, gibt es sofort die Belohnung. Steigert das nach und nach: langsam neben dem Hund aufstehen, schwungvoll neben dem Hund aufstehen, hinter dem Hund ein paar Schritte lang gehen, ein Schrittchen weg und wieder ein Schrittchen ran, auf der Stelle gehen, ...

Das ist eine gute Vorübung für den nächsten Trainingsschritt:


(3) Nase ruhig am Gegenstand, während der Mensch sich an den Hund annähert



Hier nähern wir uns Schritt für Schritt langsam an den Hund an. Da es fast kein Hund aushält, wenn sich der Mensch plötzlich in Bewegung setzt, bauen wir das auch wieder ganz kleinschrittig auf. Auch hier empfehle ich genau wie in Schritt (2) einen Clicker zum genauen Markieren des richtigen Verhaltens.
Wie auch im Zwischenschritt erklärt, baut ihr die Annäherung langsam auf: erst eine Gewichtsverlagerung in Richtung des Hundes, dann ein Schritt, dann weder nur ein halber, dann zwei, dann vier, dann wieder nur einer, ... immer schön nach und nach und für den Hund so nachvollziehbar, das er lernt: ich muss so lange ruhig am Gegenstand liegen, bis ich ein AuflöseSignal bekomme.


Diese drei bzw. vier Trainingsschritte sind auf dem Weg zu einer perfekten Anzeige nötig. Manchen Hunden fällt es sehr leicht, sich nicht vom Gegenstand abzuwenden, anderen eher schwer. Durch ein kleinschrittig aufgebautes Training und viele Wiederholungen kann es aber jeder Hund lernen :-)

Die meisten Aufgaben trainieren wir ja zuerst im Trümmerfeld und da Hunde ganz schlecht im Generalisieren von Verhalten sind, können wir nicht erwarten, das die Anzeige nun in der Päckchenstraße genauso toll ist wie in den Trümmern. Alle Disziplinen sollten einzeln erarbeitet werden und so auch die schöne Anzeige in den verschiedenen Suchlagen.


Die Anzeige in der Fläche fällt vielen Hunden sehr schwer, da der Gegenstand frei liegt. Der Gegenstand wird dann gerne mal verschoben, umgelegt, aufgenommen oder mit der Pfote angetatzt.

Bei den Päckchen muss der Hund die Nase punktgenau an einem kleinen Loch positionieren und darf dort nicht mehr abrutschen.

Bei der Suchwand muss der Hund teilweise sogar ohne direkten Nasenkontakt anzeigen - deshalb ist der gesamte Fokus des Hundes so wichtig.

Im Trümmerfeld kann man die Anzeige natürlich auch nach und nach erschweren: während wir beim Aufbau der perfekten Anzeige keine herausragenden Suchleistungen verlangen und meistens an einer Außenkante des Trümmerfeldes verstecken, können wir uns steigern, sobald der Hund verstanden hat, wie eine schöne Anzeige aussieht:

- kleine Hochlagen - da kann nicht bequem das Kinn mit abgelegt werden ;-)
- schwierige Liegelagen - da muss sich der Hund nicht nur auf seinen KopfFokus konzentrieren, sondern auch noch darauf, das der restliche Körper irgendwie zum liegen kommt
- Kletterlagen
- ÜberKopfAnzeigen
- ... :-)

Im zweiten Teil geht es um die generelle Verbesserung des Fokus auf den Gegenstand, verschiedene Belohnungsmöglichkeiten und den Einsatz eines Fehlerwortes :-)

Nun bin ich erstmal gespannt auf Eure Fragen und Trainingsberichte zum Thema "perfekte Anzeige" :-) Was sind dabei Eure Baustellen?


Viel Spaß beim Üben!
Nun bin ich gespannt auf Eure Trainingsvideos!